Miss Liberty lässt grüßen

Reinhard Grieger  / pixelio.de
Reinhard Grieger / pixelio.de

New York ist ein Vorreiter in Sachen Volksgesundheit. 2003 hat Bürgermeister Bloomberg ein rigides Rauchverbot eingeführt, das seitdem stets optimiert wird. Selbst unter freiem Himmel steht Rauchen heute unter Strafe.

 

Neuerdings auch im staatlichen Visier: die heimischen vier Wände. Eine Kampagne fordert Hauseigentümer auf, ihre Gebäude rauchfrei zu erklären – zum Schutz vor Schäden durch Raucher. Wer den Schaden macht, muss für den Qualm tief in die Tasche greifen: 12,50 US-Dollar kostet das Päckchen Zigaretten (Stand Juni 2012. Quelle).

 

Hat’s geholfen? Das scheint nicht so genau bekannt zu sein. Von knapp über 20% der rauchenden Bevölkerung ist die Zahl auf knapp unter 20% gesunken. Aber diese Statistiken kann man getrost in der Tüte rauchen. Putzen wir uns nicht alle zwei Mal täglich die Zähne? Oder was würden Sie antworten, wenn heute die New Yorker Gesundheits-Polizei vor der Tür stände und fragte, „rauchen Sie“?

 

959.000 erwachsene New Yorker haben trotzdem „ja“ gesagt. Vielleicht konnten sie nicht leugnen, weil sie gerade eine Kippe in der Hand hielten.

 

Das New Yorker Anti-Raucher-Programm läuft weiter auf Hochtouren. Jetzt hat der Bürgermeister eine weitere Zielgruppe für seine Gesundheitsfürsorge gefunden – die Trinker. Nein, nicht Säufer sollen auf Entzug, sondern Trinker süßer Getränke.

 

Zur Steigerung der Volksgesundheit – im Kampf gegen Übergewicht und die Seuche „Fettleibigkeit“ – wird als nächstes der Konsum von zuckerhaltigen Softdrinks aus offenen eimerähnlichen Gefäßen verboten. Das Gefäß, nicht der Inhalt. Erlaubt sind ab März 2013 nur noch die Becherformate „Child“ mit rund 350 Millilitern und „Small“ mit einem knappen halben Liter Füllung.

 

Wer käme schon auf die Idee, zwei Becher zu trinken? Vielleicht jene New Yorker Bürger, die bisher Becher mit Namen „Medium“, „Large“ und „Super Size“ voller Cola & Co geleert haben. „Super Size“ fasst übrigens 1,2 Liter süßen Stoff und hat 410 Kalorien.

 

Der New Yorker Bürgermeister sorgt sich um die New Yorker Bürger. Sein Job. Sagt er. Bloombergs Sorge gilt insbesondere den am härtesten betroffenen Bevölkerungsgruppen. Das sind Schwarze, Hispanics und ihre Nachbarschaft mit niedrigem Einkommen in der Bronx, in Staten Island und Brooklyn. Denn die Wahrscheinlichkeit für einen schwarzen Einwohner New Yorks an Diabetes zu sterben ist drei Mal so groß wie die eines weißen. Im Durchschnitt sind 58% aller Erwachsenen New Yorks übergewichtig oder fettleibig. In der Bronx sind es 70%. Warum? Die Politik in New York beantwortet die Frage mit dem Cola-Eimer-Verbot. Eine Beruhigungspille für die (schlanken) Reichen. Ein Placebo für die (dicken) arbeitslosen oder geringverdienenden Armen der Stadt.

 

Aber Bloomberg sorgt sich echt. Sicher wird das Verbot der Trink-Eimer das Verhalten der Menschen ändern. Sie werden schlank und reich werden. Bloomberg verkauft einen Traum. Der macht friedlich und fügsam und lässt die armen Dicken von Taille, Sixpack und Dollar träumen. Eine Sünde ist das Träumen nicht. Eine Staatsaufgabe das Träumemachen auch nicht. Aber eindeutig billiger.


PS: Der Konsum gesunder Sachen im Super Size Format ist natürlich weiterhin erlaubt. Was ist gesund? Zum Beispiel Säfte – Orangensaft je Liter ca. 450 Kalorien – sowie Getränke mit mehr als 50% Milchanteil – Milch fettfrei je Liter ca. 350 Kalorien.


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